8. Oktober 2026
Vom Schulweg zum Bürgerantrag

Wie kommen Jugendliche in Wuppertal zur Schule und zum Sport, und was müsste sich dafür in der Stadt ändern? Damit haben sich am 8. Oktober 2026 rund 75 Schüler:innen einen ganzen Tag lang beschäftigt, von 8 bis 14 Uhr in der Aula des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums. Dabei sind eigene Ideen für die Stadt entstanden: eine Schwebebahn, die auch nach 23 Uhr regelmäßig fährt, der Ölberg als Superblock nach dem Vorbild von Barcelona, mehr Sicherheit im Verkehr. Am Ende hatte jede Gruppe einen Bürgerantrag an den Rat geschrieben, und auf der Bühne diskutierten die Schüler:innen mit Politiker:innen aus dem Rat, was sich davon umsetzen lässt.
Es war der erste Projekttag von Zukunft Wuppertal. Die Reihe Mobilität, für die Klassen sonst drei Unterrichtseinheiten brauchen, lief hier an einem Tag, und drei Schulen machten sie gemeinsam: zwei zehnte Klassen vom Gymnasium Am Kothen und vom WDG und ein EF-Kurs vom Gymnasium Bayreuther Straße, gemischt in 16 Gruppen. Durch den Tag führten Mert Göcen und Marie-Louise Claßen aus dem Projektteam. Was sie mitnehmen, haben die Schüler:innen im Feedback am häufigsten genannt: wie man sich in der Stadt einmischt.
Quiz, Wortwolke und Tagebuch liefen über QR-Codes auf den Folien, ohne Anmeldung und ohne Namen.
Der eigene Schulweg
Nach einem Quiz zum Einstieg fragte eine Wortwolke: Was fällt euch zu Mobilität ein? Am häufigsten kamen Bus, Auto und Schwebebahn. Dann trugen die Schüler:innen im Mobilitätstagebuch ein, wie sie am Vortag unterwegs waren: wohin, womit, wie lange und wie es sich angefühlt hat. 62 Tagebücher kamen zusammen. Sieben von zehn sind mit Bus oder Bahn gefahren, mit dem Fahrrad nur eine einzige Person. Geärgert haben sich viele über volle Busse und Schwebebahnen und über Busse, die zu spät kommen oder ausfallen. „Musste im Bus für 50 min lang stehen, war doof“, steht in einem Tagebuch. In einem anderen: „Keine lange Wartezeit (Schwebebahn fährt jede 3-4 Minuten). Gute Geschwindigkeit. Die Station ist gut erreichbar von zu Hause“.
Danach ging es um Klima und Luft. Beim CO₂-Memory schätzten die Gruppen, welcher CO₂-Wert zu welchem Verkehrsmittel gehört. In der Vier-Ecken-Diskussion zeigte der Platz im Raum, wie sehr jemand einer Aussage zustimmt, etwa zu Lebensqualität oder Radwegen. Am besten lief der Tag nach Einschätzung des Projektteams dort, wo die Schüler:innen aus ihrem eigenen Alltag erzählen konnten, beim Tagebuch und in den vier Ecken.
Beim CO₂-Memory liegen Verkehrsmittel und Zahlen durcheinander. Die Gruppe ordnet sie einander zu.
Vier-Ecken-Diskussion: Jede Ecke steht für eine Antwort, von „Stimme zu“ bis „Stimme nicht zu“.
Vier Städte und Wuppertal
Eine Stunde lang recherchierten die Gruppen dann vier Städte, die ihren Verkehr umgebaut haben: Barcelona mit seinen Superblocks, Paris als Stadt der 15 Minuten, Kopenhagen als Fahrradstadt und Singapur, wo ein eigenes Auto sehr teuer ist. Jede Gruppe sollte auch sagen, ob die Idee nach Wuppertal passt, und dabei wurde es konkret. Für die Superblocks schlugen alle drei Barcelona-Gruppen den Ölberg vor, zwei auch die Elberfelder Innenstadt. Die Kopenhagen-Gruppen blieben skeptisch, Wuppertal „erweist sich schnell als Fahrrad-feindlich“, und überlegten, was trotzdem helfen würde: E-Bikes, sichere Kreuzungen, Abstellplätze. Bei Singapur sahen die Gruppen weniger Stau und pünktlichere Busse, aber auch ein Problem: Für Stadtteile, in denen wenige Busse fahren, wäre eine teure Maut unfair. Eine Gruppe nennt „Cronenberg, Beyenburg oder Herbringhausen“. Fast immer stießen die Gruppen auf dasselbe Hindernis, die Hänge und die lange, schmale Talstadt.
Ein Antrag an den Rat
Kurz vor der Mittagspause kam Denise Frings, Mitglied im Rat der Stadt Wuppertal. Schon beim Kick-off im September hatte sie mit Schüler:innen über deren Wünsche für die Stadt diskutiert. Jetzt erklärte sie, was der Rat entscheidet und wie ein Bürgerantrag funktioniert. Stellen darf ihn, wer seit mindestens drei Monaten in Wuppertal wohnt, ohne Mindestalter und ohne Wahlrecht.
Nach dem Mittagessen einigte sich jede Gruppe auf ein Anliegen und schrieb es als Bürgerantrag auf. Eine Gruppe will zum Beispiel, dass die Schwebebahn auch nach 23 Uhr regelmäßig fährt. Viele Anträge drehten sich um mehr Sicherheit im Verkehr. Das Thema stand schon morgens in den Tagebüchern: „Zwischendurch hat man sich etwas unsicher gefühlt. Da an manchen komischen Orten zu wenig Beleuchtung ist.“
Ein Bürgerantrag entsteht. Die Namen der Gruppe sind unkenntlich gemacht.
Zum Schluss wurde die Bühne zum Ratssaal. Drei Gruppen trugen ihren Antrag vor, Vertreter:innen aller Gruppen berieten mit Politiker:innen aus dem Rat, ob die Forderung realistisch ist und wie sie sich umsetzen ließe. Abgestimmt haben alle im Saal. Bei der Übung muss es nicht bleiben: Einreichen können die Gruppen ihre Anträge wirklich, auch die, die im Saal keine Mehrheit bekommen haben.
Was die Schüler:innen sagen
Im anonymen Feedback am Ende lobten die Schüler:innen vor allem die Ratssitzung, das eigene Antragschreiben und dass sie mitreden durften. „Ich fand gut das wir am Ende diesen Antrag selber machen durften und auch auf der Bühne vorstellen und diskutieren durften“, heißt es in einer Rückmeldung.
„Wir konnten spielerisch lernen, haben die Personen getroffen, die zum Teil über unsere Zukunft entscheiden“
Den Vormittag fanden viele zu lang, mit zu viel Zuhören. „In einer so großen Gruppe braucht man glaube ich einen kleineren Anteil zum zuhören“, schreibt jemand dazu. In einer anderen Rückmeldung steht: „Ich hoffe sehr dass dieses Projekt in den kommenden Jahren weitergeführt wird und dass die nächsten Jahrgänge auch diese schöne Möglichkeit bekommen“.
